Sculpture (70 x 80 x 230 cm), laminated label reading “item on loan from the city of Zwickau”, enamel plaque used to mark cultural property in the former German Democratic Republic (GDR) since the GDR's Monument Preservation Act came into effect in 1975. The plaque bears the “Blue Shield” emblem, meant to mark cultural properties classified worthy of protection according to article 17 of the 1954 Hague Convention on the Protection of Cultural Property in the Event of Armed Conflict, which the GDR ratified in 1974.
Appendix: A booklet and three folded leaflets.
Thomas Müntzer (1489–1525) was a theologian of the early Reformation and mystic who was initially strongly influenced by Martin Luther in his criticism of the abuses of the church, but radicalized himself on the basis of Luther's teachings and then took on a leading role during the German Peasants' War (1524-25). Following the suppression of the peasant uprising he led in Thuringia by the princes' troops, he was executed in Mühlhausen on 27 May 1525.
The historical figure of Thomas Müntzer played an important role in GDR historiography. Attempts were made to historically justify the aspired socialist social order, following Friedrich Engels, who saw the peasant uprisings as the “beginning of a revolutionary tradition” of the German people.Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg, Berlin 1975, 29. To compensate for the lack of a proletarian revolution immediately preceding the emergence of the GDR as a socialist state, a revolutionary tradition was invoked that could be traced back to the peasant uprisings termed the “early bourgeois revolution”. In his role as the leader of this revolution in Thuringia, Müntzer was stylized as the first German socialist freedom fighter, a proto-communist.Cf. Laurenz Müller: Diktatur und Revolution: Reformation und Bauernkrieg in der Geschichtsschreibung des «Dritten Reiches» und der DDR, Stuttgart 2004, 287. This largely ignored the fact that he justified his support for the rebellious peasants less with their material motives than by interpreting the perceived injustice towards the peasants as an apocalyptic sign that virtually forced their rebellion. […]
Skulptur (70 x 80 x 230 cm), laminiertes Schildchen mit der Aufschrift „Leihgabe der Stadt Zwickau“. Emailleplakette mit der in der ehemaligen DDR, seit Inkrafttreten des Denkmalpflegegesetzes im Jahr 1975, Kulturgüter gekennzeichnet wurden. Auf der Plakette ist die „Blaue Raute“ abgebildet, mit der, gemäß der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954, als schützenswert eingestufte Kulturgüter ausgewiesen werden sollen.
Anhang: Eine Broschüre und drei Faltblätter.
DDR Ministerium für Kultur: Thomas Müntzer. Ehrung der DDR, 1989.
Thomas Müntzer (1489–1525) war ein reformatorischer Theologe und Mystiker, der in seiner Kritik an den Missständen der Kirche zunächst stark von Martin Luther beeinflusst war, sich von dessen Lehren ausgehend aber radikalisierte und dann eine führende Funktion während des Deutschen Bauernkriegs (1524–25) einnehmen sollte. In Folge der Niederschlagung des von ihm angeführten Bauernaufstandes in Thüringen durch die Fürstenheere, wurde er am 27. Mai 1525 in Mühlhausen hingerichtet.
Die historische Figur Thomas Müntzers spielte eine wichtige Rolle in der DDR-Geschichtsschreibung. In Anschluss an Friedrich Engels, der in den Bauernaufständen den „Anfang einer revolutionären Tradition“ des deutschen Volkes sah,Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg, Berlin 1975, 29. suchte man die angestrebte sozialistische Gesellschaftsordnung historisch zu begründen. Zur Kompensation des Mangels an einer unmittelbar dem Entstehen der DDR als sozialistischen Staat vorausgehenden proletarischen Revolution, berief man sich auf eine revolutionäre Tradition, die sich bis zu den als „frühbürgerliche Revolution“ bezeichneten Bauernaufständen zurückverfolgen ließe. In seiner Rolle als Anführer des Bauernaufstandes in Thüringen wurde Müntzer als erster deutscher sozialistischer Freiheitskämpfer, als Protokommunist stilisiert.Vgl. u.a.: Laurenz Müller: Diktatur und Revolution: Reformation und Bauernkrieg in der Geschichtsschreibung des «Dritten Reiches» und der DDR, Stuttgart 2004, 287. Dabei wurde weitestgehend ausgeblendet, dass Müntzer seine Unterstützung der aufständischen Bauern weniger mit deren materiellen Motiven rechtfertigte, sondern dass er die wahrgenommene Ungerechtigkeit gegenüber den Bauern als apokalyptisches Zeichen deutete, das deren Aufbegehren geradezu erzwang.Hartmut Böhme: Natur und Subjekt, Frankfurt am Main 1988.
Im Verlauf der DDR-Geschichte wandelte sich das staatlich definierte Müntzer-Bild vor Allem im Umgang mit seinem Antagonisten Martin Luther, im Rahmen der Einordnung historischer Jubiläen, wie dem 450. Jahrestages des Thesenanschlags Luthers 1967.Hans-Jürgen Goertz: Thomas Müntzer: Revolutionär am Ende der Zeiten: eine Biographie, München 2015, 263. Der Bezug auf die frühbürgerliche Revolution als Gründungsmythos blieb aber bis zuletzt wesentliches Mittel der Selbstlegitimation der DDR. So wurden zum Anlass des 500. Geburtstags Thomas Müntzers 1989, trotz der in Folge der lauter werdenden Proteste erodierenden Autorität des SED-Regimes, über das ganze Jahr offizielle Feierlichkeiten anberaumt. Tatsächlich ließe sich die friedliche Revolution auch als selbsterfüllende Prophezeiung lesen, nach der die Erben der frühbürgerlichen Revolution in der Tradition Müntzers aufbegehrten.
Begriffliche Gegenständlichkeit
Das 1989 zu Ehren der historischen Figur geschaffene Bildnis Thomas Müntzer zitiert das erste Müntzer zu DDR-Zeiten errichtete Denkmal von Will Lammert aus dem Jahr 1957. Die figurative Darstellung Lammerts wird auf ihre geometrischen Grundkörper reduziert, aus denen sie sich wiederum entbergen ließe. Die Figur wohnt dem Material inne. Die Skulptur steht somit beispielhaft für abstrakte und geometrisch-formale Tendenzen in der DDR-Kunst, die der kulturpolitischen Doktrin des sozialistischen Realismus durch subtile Bezüge zur Figur auswichen ohne wirklich von ihr abzuweichen.
Tatsächlich hat diese Entwicklung hin zu einer gegenstandslosen Kunst, die den oktroyierten Zwang zum Realismus zu untergraben und der kontingenten Diffamierung abstrakter Kunst stets zuvorzukommen versuchte, eine ganz eigene Formensprache ausgebildet. Diese dissidente Forschung im Ästhetischen hatte ihren Höhepunkt als die ideologischen Rahmensetzungen, an denen sie sich abarbeitete, die sie aufzuweichen und deren Lücken sie aufzuspüren versuchte, in sich zusammenfielen.
Ihren Wert meinte zuletzt auch die SED-Kulturpolitik erkannt zu haben und versuchte die weitestgehend in selbstgeschaffenen Freiräumen wirkende Bewegung in ihre institutionellen Strukturen einzubinden. An der Ostberliner Akademie der Künste sollte ein eigenes Institut für sozialistischen Formalismus entstehen. Der „post-figurative sozialistische Formalismus“ sei aus der andauernden Dialektik zwischen sozialistischem Realismus und den Einflüssen der westlichen Moderne seit der Formalismusdebatte hervorgegangen und denke diese weiter. Man prognostizierte, dass dieser sich als leitende Ausdrucksform durchsetzen und ihren Vertretern sowie den alsbald entsprechend auszurichtenden Kulturinstitutionen zu großer internationaler Anerkennung verhelfen werde.
Landesdenkmalamt Berlin: Informationsblatt, Februar 2004.
Das Landesdenkmalamt Berlin informiert über die Einführung einer neuen Denkmalplakette und erläutert die Konditionen, zu denen die Besitzer_innen und Pfleger_innen von Denkmalen diese beziehen und anbringen können.
In der ehemaligen DDR hatte man bereits nach Inkrafttreten des Denkmalpflegegesetzes im Jahr 1975 damit begonnen, als schützenswert kategorisierte Kulturgüter mit einer Emailleplakette zu kennzeichnen, die sich von der neuen Plakette nur geringfügig unterscheidet. Der im DDR-Denkmalpflegegesetz verwendete Denkmalbegriff klassifizierte Objekte als schützenswert, die von der „sozialistischen Nationalkultur“ und ihren „progressiven Taten,“ „von der politischen, kulturellen und ökonomischen Entwicklung“ und „von der Lebensweise der werktätigen Klassen“ zeugten.
Sächsischer Landesbauernverband: Rundschreiben, Mai 2010.
In einem Faltblatt des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB) werden die mit der wieder eingeführten Thomas-Müntzer-Medaille für ihre Verdienste um die Entwicklung der Landwirtschaft Geehrten vorgestellt. 1986 wurde die Thomas-Müntzer-Medaille vom DDR-Vorgänger des Bauernverbandes, der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), in Bronze, Silber und Gold verliehen.
Kopp-Verlag: Neuerscheinungen, März 2012.
In einer Fernsehzeitungsbeilage informiert der für sein rechtsesoterisches und pseudowissenschaftliches Programm bekannte Kopp-Verlag über Neuerscheinungen. Neben Ratgebern zu Themen wie Selbstversorgung und Heilpflanzenkunde werden in einem Schwerpunkt Sachbücher zu Weltuntergangsprophezeiungen besprochen.
Unter dem Titel „Die verhinderte Apokalypse“ wird eine umstrittene Biographie Thomas Müntzers, des Anführers der mittelalterlichen thüringischen Bauernaufstände, neu aufgelegt, die bei dessen Mystik und seinem apokalyptischen Gegenwartsverständnis ansetzt. Müntzers Endzeitbewusstsein habe die aufständischen Bauern gegen die bestehenden Herrschaftsverhältnisse mobilisiert. In Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi und der Errichtung seines tausendjährigen Friedensreiches suchten sie die Autorität der weltlichen Obrigkeit zu zerschlagen. Im stark überarbeiteten Fazit wird versucht in kalendarischen Zahlenfolgen Verbindungen vom Deutschen Bauernkrieg in die Jetztzeit nachzuzeichnen. In einem doppelseitigen Diagramm verdichten sich diese Zahlenfolgen in den Daten weltpolitischer Ereignisse seit dem Jahr 2000, die als apokalyptische Vorzeichen lesbar seien, aus denen sich Prognosen für einen in Deutschland unmittelbar bevorstehenden Volksaufstand ableiten ließen.